Johannes RankeDie Geschichte der  Anthropologischen Staatssammlung München beginnt mit Johannes Ranke (*1836, †1916). Der für medizinische Physiologie habilitierte Mediziner wurde 1886 auf den damals ersten Lehrstuhl für „Anthropologie und Urgeschichte“ in Deutschland an der Universität München berufen.

Die Grundlage für die heutige Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie, kurz SAPM, aber war bereits 1825 gelegt worden. Mit dem Regierungsantritt von König Ludwig I. erhielten anthropologische Untersuchungen staatliche Förderung. Nach der Gründung zahlreicher Historischer Vereine war 1870 zudem eine Münchner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte ins Leben gerufen worden.

Ranke veranstaltete im Frühjahr 1885 eine von ihm privat finanzierte Ausstellung vor- und frühgeschichtlicher Funde aus Bayern. Deren Grundstock bildete seine eigene Sammlung aus Nachbildungen prähistorischer Objekte sowie Originalfunde. Leihgaben der staatlichen Museen, verschiedener Historischer Vereine, Anthropologischer Gesellschaften und von einigen privaten Sammlern vervollständigten die Ausstellung. Wenige Tage vor ihrer Eröffnung fragte Ranke beim Ministerium für Kirchen- und Schulangelegenheiten an, ob er seine Sammlung dem Staat schenken und diese dem Paläontologischen Museum unter Oberleitung von Professor Karl A. von Zittel als separate Abteilung angegliedert werden könne. Für sich als Leiter dieser Museumsabteilung beanspruchte Ranke lediglich die Zusicherung der Aufstellung seiner Objekte in drei Räumen sowie ein Büro nebst Arbeitsraum. Offiziell übernahm von Zittel die Rankesche Sammlung am 14. Oktober 1885.

Nach weniger als dreijähriger Zugehörigkeit zum Paläontologischen Museum beantragte Ranke 1888 beim Ministerium die Abtrennung seiner Abteilung, was im Februar 1889 zur Schaffung eines selbständigen „Conservatorium der Prähistorischen Sammlung des Staates“ führte. Im Mai 1889 wurde die neue Staatssammlung eröffnet, die in vier Räumen der Alten Akademie in der Neuhauserstraße untergebracht war. In den ersten Jahren der Selbständigkeit versuchte Ranke, vermehrt anthropologisches Material – meist aus Schenkung aus Privatbesitz – zu erwerben. 1897 wurde eine Assistentenstelle eingerichtet und ab 1902 wurde die Institution auf Rankes Bemühungen hin „Anthropologisch-Prähistorische Sammlung des Staates“ genannt. Ihre Leitung war damals durch Personalunion mit dem Lehrstuhl für Anthropologie verbunden.

Die anthropologischen Objekte wurden von den prähistorischen getrennt in einem eigenen Raum der Alten Akademie aufgestellt und ab 1912 öffentlich gezeigt.

Ranke blieb bis zu seinem Tod 1916 im Amt. Sein Nachfolger wurde Rudolf Martin (*1864, †1925). In seine Fußstapfen wiederum trat von 1926 bis 1944 Theodor Mollison (*1874, †1952). 1927 erreichte Mollison die Trennung der beiden Sammlungs-Abteilungen. Unter seiner Obhut kam es zudem zum Aufbau einer zeitgemäßen anthropologischen Schausammlung.

Der Ranke-Schüler Ferdinand Birkner, der ab 1897 Assistent und ab 1908 Kustos der Prähistorischen Abteilung war, leitete von 1927 bis 1934 die Prähistorische Staatssammlung, wobei er ab 1930 als Direktor tätig war.

In der Bombennacht vom 25. April 1944 versank mit der Alten Akademie alles in Schutt und Asche, was Ranke, Martin und Mollison zuvor zusammengetragen hatten und was wegen des Krieges nicht vorsorglich ausgelagert worden war. Ebenso wurde ein Großteil der Originaldokumentation zerstört. Was aus den Trümmern geborgen wurde, bewahrte Mollison in seinem Privathaus auf, wo er um sich auch den Rest seiner Mitarbeiter scharte.

Nach vier Jahren, in denen Lehrstuhl und Direktorat der Anthropologischen Sammlung verwaist waren, übernahm 1948 Karl Saller (*1902, †1969) beide Ämter. Notdürftig wurden ab 1949 Institut und Staatssammlung in Räumen der halb zerstörten Kunstgewerbeschule in der Richard-Wagner-Straße 10 untergebracht.

Nach Sallers Tod wurde Georg Glowatzki – zunächst kommissarisch – Leiter der Staatssammlung, die 1972 in Kellerräume des Gebäudekomplexes Theresienstraße 37-41 umzog. 1973 wurde Hartwig Cleve als Sallers Nachfolge auf den Lehrstuhl für Anthropologie und Humangenetik berufen und 1974 die Personalunion in der Leitung von Institut und Sammlung aufgehoben. Auf Antrag der Generaldirektion erhielt die Sammlung 1975 zudem eine weitere Stelle eines Konservators.

Sammlungsgebäude (von der Barer Straße aus)1976 bezog die Anthropologische Staatssammlung ihr erstes eigenes Dienstgebäude am Karolinenplatz 2a, in dem sie bis heute untergebracht ist. Der klassizistische Bau war 1809 von Karl von Fischer als Stallgebäude des Palais von Baron Asbeck errichtet worden.

Bis heute wurde das Gebäude mehrmals umgestaltet und 2000 komplett renoviert. Dennoch können die Räumlichkeiten all den Funden aus der Zeit des Epipaläolithikums bis zur frühen Moderne keinen adäquaten Platz bieten. Die Sammlungsbestände waren über die Stadt München verteilt. Viele Funde waren beispielsweise in der Theresienstraße magaziniert.

Nach dem Weggang Glowatzkis wurde die Anthropologische Staatssammlung zunächst von 1977 bis 1980 von Ernst Josef Fittkau komissarisch geleitet. Ihm folgten von 1981 bis 1982 – ebenfalls als kommissarischer Leiter – Peter Wellnhofer und von 1983 bis 1991 Gerfried Ziegelmayer (*1925, †2007) als Direktor nach. Seit Ziegelmayer gibt es wieder eine Personalunion, jedoch in abgewandelter Form: Das Direktorat der Anthropologischen Sammlung ist nun mit der Professur für Anthropologie an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) verbunden. Als erste Frau in der Geschichte der Anthropologischen Staatssammlung war Gisela Grupe von 1991 bis zum Jahre 2015 Direktorin.

Sammlungsgebäude im WinterIm Jahr 2000 durchlief die Anthropologische Sammlung ihre bis dato letzte Neuerung. Sie fusionierte mit der Paläoanatomischen Sammlung zu einem interdisziplinären bioarchäologischen Institut, der Bayerischen Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie München, kurz SAPM. Mit dem Erscheinen des ersten Bandes der „Documenta Archaeobiologiae“ (DOAB) hat die SAPM seit 2003 ihr eigenes Publikationsorgan.

Heute ist die Abteilung Anthropologie – als Archiv für anthropologisches Untersuchungsgut und Daten aus Vergan­genheit und Gegenwart und zugleich Forschungsinstitut für Anthropologie – die einzige Institution dieser Art in Deutschland. Seit Februar 2015 ist Prof. Dr. Joris Peters Direktor beider Abteilungen der SAPM. Unter seiner Leitung konnte die Zusammenlegung aller Magazine erfolgen, sodass alle Funde der SAPM nun in einem einzigen Magazin in Aschheim/ Dornach zentral verwahrt werden.

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